Wenn die Oma mit den Enkelkindern Bienenköniginnen züchtet und Honig erntet

3 Minuten Lesezeit

Was als kleines Hobby startete, ist inzwischen eine Unternehmung, die der kompletten Familie Freude macht.

Von Nicola Kossack 

So ein Verkaufsstand ist ein super Zeitvertreib und eine tolle Taschengeldquelle, dachten sich die Brüder Laurenz und Felix als sie anfingen, vor der Haustür Omas Honig zu verkaufen. Die Passanten freuten sich und griffen zu. Allerdings ohne das Wissen von Oma Christa. Die Jungs flogen erst auf, als sie im Haus nach Nachschub suchten …

 

Eine Biene sammelt Nektar

 

Doch woher ist Omas Honig? Dass Bienen wichtig für unsere Umwelt sind, ist in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Wahrnehmung gerückt. Blumenwiesen werden extra für Bienen angelegt oder stehen gelassen und viele Menschen mit Gärten versuchen, mit kleinen Insektenhotels Bienen ein Zuhause zu bieten. Die Politik ergreift entsprechende Umweltmaßnahmen. Doch bei Christa und ihrer Familie ist das Thema kein neues. Sie hält schon seit 20 Jahren Bienenvölker und erntet deren Honig. Dabei helfen die Enkel fleißig mit, denn es gibt viel zu tun. Aus ehemals zwei kleinen Bienenvölkern sind zehn entstanden, die ihr heute an die 300 kg Honig liefern – das entspricht ca. 600 Gläsern Honig. 

 

Oma Christa (rechts) und ihre Tochter Suse schauen die Bienenvölker durch.

 

Die Beutekästen der Völker mit ca. 40.000 Bienen am Rand eines Kornblumenfelds.

 

Der Bienenschwarm hat sich am Ast niedergelassen und wird von Enkel Moritz ohne Angst begutachtet.

 

 

Der Schwarm wurde vom Ast in ein Kiste geschüttelt. Ist die Königin dabei?

 

Doch Oma Christa betont, dass ihr beim Züchten der Königinnen bzw. beim Vermehren der Bienenvölker nicht der Honigertrag, sondern die Sanftmut des Volkes am wichtigsten sind. Bienenvölker, die aggressives Verhalten zeigen, werden nicht weiterverfolgt. Königinnen, deren Volk fleißig ist und die sich sanft verhalten, bekommen hingegen die Chance, sich zu vermehren. Doch wie genau geht Christa da vor? 

Beim Durchschauen der Völker im Mai/Juni erkennt man die Zelle einer neuen Königin an ihrer Größe. Man kann verhindern, dass diese schlüpfen, um die alte Königin und deren Volk noch zu behalten, oder man lässt das Schlüpfen zu, dann macht sich die alte Königin mit einem Teil ihres Volkes davon. Sie „tutet“ hörbar und schwärmt mit ihrem kleinen Volk aus, z. B. auf den Ast eines Baumes. Dann kann man sie – wie hier auf den Bildern zu sehen – in eine Kiste schütteln. Die Kinder sehen nach, ob in der Kiste nicht nur Bienen, sondern auch die deutlich größere Königin ist. Denn nur wenn diese mit dabei ist, bleiben die Bienen in der Kiste. Wenn sie nicht dabei ist, fliegen sie wieder auf den Baum. Danach wird das Volk in eine „Beute“ gesetzt, das sind die Bienenkästen mit Waben, und eventuell in ein neues Terrain gefahren. Je nach Wald oder Kornblumenfeld erntet man später unterschiedliche Honigsorten. 

Um den Überblick zu behalten, kennzeichnet Oma Christa die Königin eines Stamms stets mit einem entsprechenden Stift weiß, gelb, rot, grün und blau, für jedes Jahr die bestimmte Farbe (die Königin auf den Waben in der Mitte des Bildes ist gelb gekennzeichnet). 

 

Enkel Laurenz „entdeckelt“ die Waben mit einem Heißluftföhn, damit beim Schleudern der Honig aus den Waben fließen kann.

 

Oma Christa und Enkelin Nina bedienen die Schleuder, aus der dann …

 

… goldgelber Honig fließt – mmmh, zum Schlecken gut.

Sobald am Ende des Sommers die Felder verblüht sind, kann der Honig geerntet werden. Die Bienen haben ihre Vorräte für den Winter mit einem sogenannten Wachsdeckel verschlossen. Diese Deckelchen werden mithilfe eines Heißluftföhns geöffnet, sodass der Honig herausfließen kann. Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe für die Enkelkinder. Denn es muss alles schnell gehen, da die Waben (im Bienenstock herrscht meist eine Temperatur von 35 Grad) möglichst warm verarbeitet werden sollten, bevor sie kalt und hart werden. Die „entdeckelten“ Honigwaben kommen schließlich in Oma Christas Honigschleuder, aus der unten dann der flüssig-weiche Honig herausfließt. Waldhonig bleibt meistens in dieser Konsistenz, Blütenhonig hingegen besteht aus anderen Zuckerkristallen und neigt dazu, hart zu werden. Dieser muss oftmals noch im Wasserbad auf 40 Grad erwärmt und dann cremig gerührt werden.

Das Ergebnis ist jedenfalls immer köstlich und sehr beliebt bei allen vier Enkelkindern, die der Oma seit vielen Jahren schon beim Imker-Hobby helfen. Früher beim Schleudern, heute helfen die großen Jungs beim Kistenschleppen. Ob sie keine Angst hat, dass die Kinder gestochen werden, wurde sie oft gefragt. „Nein“, sagt sie, „denn meine Bienenvölker sind sanftmütig“ und ihr Enkel Moritz hat bereits überzeugt verkündet „Oma, deine Bienen stechen nicht.“ Doch in fremden Terrains oder bei fremden Bienenvölkern muss man natürlich Obacht geben, dann zieht Oma Christa zeitweise ihren Imkerschutz an.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Vorheriger Beitrag

Mit Energie und Lebensfreude

Latest from Lesenswert

Zeit zum Aufleben

Mit dem Frühling kommt das Leben. Viele Tiere verlassen ihr Winterquartier, die Frühblüher wie Krokusse und

Das gönn ich mir

Ja, manchmal muss man sich auch was „jönne könne“, wie die rheinische Redensart sagt. Damit dies